
Krankenversicherung auf Reisen
Unsere Erfahrungen aus fünf Jahren Weltreise
Wer länger reist – sei es für ein paar Monate oder gleich mehrere Jahre – kommt irgendwann an der Frage nicht vorbei: Wie mache ich das eigentlich mit der Krankenversicherung?
Gerade wenn man aus Deutschland kommt, ist man ein sehr komfortables System gewohnt. Arzttermine, Krankenkassenkarte, Abrechnung im Hintergrund – man muss sich um wenig kümmern. Auf Reisen funktioniert das anders. Aber: Es funktioniert trotzdem. Und oft sogar erstaunlich unkompliziert. Anders, als man es aus Deutschland kennt, aber definitiv nicht schlechter!
Nach inzwischen über fünf Jahren auf Reisen haben wir einiges erlebt – von Zahnarztbesuchen in Südostasien bis zum Dorfarzt, der auf dem Fahrrad zu seinen Patienten gefahren kommt in Tansania. In diesem Artikel teile ich unsere Erfahrungen und gebe dir ein paar praktische Tipps mit.
Reise-Krankenversicherung vs. Auslandskrankenversicherung – was ist der Unterschied?
Zuerst einmal lohnt es sich, zwei Begriffe auseinanderzuhalten, die oft durcheinandergeworfen werden.
Reise-Krankenversicherung
Eine Reise-Krankenversicherung ist das klassische Modell für Urlauber.
Sie gilt meistens:
- für kurze Reisen (oft bis 6–8 Wochen)
- als Zusatz zur deutschen Krankenversicherung
- nur solange dein Hauptwohnsitz in Deutschland bleibt
Typischer Anwendungsfall:
Du bist gesetzlich oder privat versichert in Deutschland und gehst drei Wochen nach Thailand oder zwei Monate nach Kanada.
Die Reise-KV deckt dann medizinische Kosten im Ausland ab, die deine deutsche Krankenversicherung nicht übernimmt.
Auslandskrankenversicherung
Eine Auslandskrankenversicherung ist für Menschen gedacht, die länger im Ausland leben oder reisen. Zum Beispiel:
- Weltreisende
- digitale Nomaden
- Langzeitreisende
- Expats
Diese Versicherungen gelten oft weltweit und über viele Monate oder Jahre hinweg.
Der Unterschied ist also simpel:
Reise-KV = für kurze Urlaube
Auslands-KV = für längere Zeit im Ausland
- Eine Reise-Krankenversicherung ist immer nur ein Zusatz zu einer bestehenden gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) oder privaten Krankenversicherung (PKV) im Heimatland.
Welche Reise-Krankenversicherung ist die beste?
Wenn Du die beste Reise-Krankenversicherung suchst, dann schau, mit welchem Anbieter Deine deutsche Krankenkasse zusammenarbeitet.
Viele gesetzliche und private Krankenversicherungen haben Partnerunternehmen für Auslandsreisen.
Warum das sinnvoll ist? Falls nach Deiner Reise eine Behandlung in Deutschland fortgeführt werden muss, läuft die Kommunikation zwischen den Versicherungen oft deutlich einfacher.
Ein Beispiel: Du brichst Dir im Ausland den Arm, wirst dort behandelt und brauchst danach noch Nachsorge in Deutschland. Wenn beide Versicherungen miteinander kooperieren, ist der Übergang deutlich unkomplizierter und auch der bürokratische Aufwand sinkt.
Unsere Auslandskrankenversicherung auf Weltreise
Als wir unsere Weltreise gestartet haben, mussten wir uns natürlich ebenfalls entscheiden, wie wir uns in Sachen Gesundheit aufstellen wollen. Unsere Lösung sah so aus:
Die ersten fünf Jahre: Young Travelers von HanseMerkur
Wir waren lange bei der HanseMerkur versichert, genauer gesagt im Tarif Young Travelers. Diese Versicherung ist speziell für:
- Langzeitreisende
- Work & Travel
- Backpacker
Ein paar Dinge solltest du wissen:
- Du kannst sie nur abschließen, solange Du noch einen Wohnsitz in Deutschland hast.
- Sie eignet sich für längere Reisen bis fünf Jahre.
- Die Kosten sind relativ moderat. Wir haben für eine dreiköpfige Familie im Premium-Tarif 200€ pro Monat bezahlt.
- Man muss unter 39 Jahre alt sein.
Für uns hat das Modell viele Jahre gut funktioniert. Unsere Erfahrungen mit der Krankenkasse sind positiv – auch wenn wir sagen müssen, dass die Bearbeitung von eingereichten Kostenerstattungen manchmal mehrere Wochen oder gar Monate in Anspruch genommen hat.
Unsere aktuelle Versicherung: SafetyWing
Mittlerweile sind wir bei SafetyWing versichert. SafetyWing ist besonders unter digitalen Nomaden beliebt. Warum?
- komplett online abschließbar
- monatlich kündbar
- unbefristete Laufzeit – anders als bei der YoungTravalers, die auf maximal fünf Jahre Laufzeit begrenzt ist
- abschließbar auch ohne festen Wohnsitz
SafetyWing ist vom Leistungsumfang etwas weniger umfangreich als die YoungTravelers, aber dafür mit rund 60 Dollar im Essential-Tarif pro Person monatlich auch deutlich günstiger. Kinder sind bis 10 Jahren sogar kostenlos. Ab einem Alter von 40 Jahren steigt der Preis pro Monat staffelweise.
SafetyWing mit dem Standard-Tarif „Nomad Insurance Essential“ ist perfekt für alle, die sich lediglich für unerwartete medizinische Ereignisse auf Reisen absichern wollen und auf Routineuntersuchungen und Vorsorge verzichten bzw. diese aus eigener Tasche bezahlen.
Mit unserem Affiliate-Link kannst Du 20$ auf Deine erste Rechnung sparen:
Natürlich sollte jeder individuell prüfen, was er braucht und zu seinen Bedürfnissen passt. Aber für uns funktioniert dieses Modell momentan sehr gut.
Wie ist das mit der Krankenversicherung, wenn ich keinen Wohnsitz mehr in Deutschland habe?
Wenn Du mit dem Gedanken spielst, länger zu verreisen, solltest Du unbedingt auch die Frage stellen, welche Krankenversicherung zu Dir passt. Es gibt zwei Szenarien, um weiterhin krankenversichert zu sein:
Wohnsitz in Deutschland behalten
Dann kannst du:
- gesetzlich oder privat versichert bleiben
- zusätzlich eine Reise-KV abschließen
Das ist administrativ oft am einfachsten, hat aber natürlich viele andere Nachteile. Deshalb entscheiden sich die meisten – sofern möglich – ihren Wohnsitz in Deutschland aufzugeben (womit übrigens auch die Schulpflicht für Kinder entfällt).
Abmeldung aus Deutschland
Wenn Du offiziell keinen Wohnsitz mehr in Deutschland hast, reicht keine Reise-Krankenversicherung aus, sondern du brauchst eine vollwertige internationale Auslandskrankenversicherung.
Andere Anbieter, neben der oben genannten Young Travelers und SafetyWing: BDAE, April, Mawista (Tarif: Expatcare), Foyer Global Health, PassportCard, Genki (Tarif: Native).
- Die meisten Auslandkrankenversicherungen erlauben nur begrenzte Aufenthalte im Heimatland (z. B. 30–90 Tage pro Jahr). Also theoretisch kannst Du natürlich auch länger auf Heimatbesuch in Deutschland sein, Dein Versicherungsschutz würde dann aber für diese Zeit nicht greifen. Darauf solltest Du beim Abschluss unbedingt achten.
Wie läuft ein Arztbesuch im Ausland ab?
Das ist eine der Fragen, die wir am häufigsten hören. Die Antwort ist erstaunlich einfach.
In den meisten Fällen läuft es so:
- Du gehst zum Arzt.
- Du bezahlst die Behandlung selbst vor Ort.
- Du reichst die Rechnung bei deiner Versicherung ein.
Die Rückerstattung lässt zwischen einigen Tagen bis mehrere Monate auf sich warten.
Bei medizinischen Notfällen, wo es um Krankenhausaufenthalte oder Operationen geht, muss man nicht in Vorkasse gehen. Die Abrechnung findet dann direkt zwischen Krankenversicherung und dem Krankenhaus statt.
Gute Nachricht: Viele Rechnungen sind überraschend niedrig.
Gerade in vielen Ländern außerhalb Europas sind medizinische Behandlungen viel günstiger als in Deutschland. Ein Beispiel aus unserem Leben:
Wir waren in Thailand beim Zahnarzt für eine kleine Zahn-OP. Kostenpunkt: 5 Euro. Inklusive Schmerzmittel für Zuhause. Dafür lohnt es sich nicht einmal, die Rechnung bei der Krankenkasse einzureichen.
Unsere Erfahrungen mit medizinischer Versorgung weltweit
Viele Menschen haben Angst vor der medizinischen Versorgung im Ausland oder sehen die „schlechte Versorgung“ sogar als Grund an, gar nicht erst zu verreisen.
Unsere Erfahrung nach fünf Jahren Weltreise:
Die Versorgung ist anders – aber trotzdem sehr gut. Wir haben es bisher in allen besuchten Ländern als überraschend persönlich und serviceorientiert erlebt. Fünf Monate auf einen Termin beim Facharzt wartet man auf jeden Fall nicht 😉 Und für Termine hängt man nicht zehn Minuten in einer Warteschlange am Telefon, sondern erledigt es eben fix per WhatsApp.
Schöne Story: In einem kleinen Dorf in Tansania kam der Arzt tatsächlich auf dem Fahrrad vorbei. In seinem Köfferchen hat er jeden Tag eine kleine Auswahl an Medikamenten dabei. Die Konsultation wie auch die Medikamente sind kostenlos für die Menschen – eine Krankenversicherung hat hier fast niemand.
Er hat zwar ein Handy, aber wenn der Arzt gebraucht wird, verbreitet sich die Nachricht im Dorf durch Weitersagen in Windeseile. Einer sagt es dem nächsten weiter – bis die Botschaft schließlich beim Doktor ankommt. Dann schwingt er sich auf sein Fahrrad und kommt einfach vorbei. Klingeling, der Arzt ist da!
Wir waren in den letzten Jahren ansonsten vor allem bei Zahnärzten in unterschiedlichsten Ländern. Von Thailand über Indonesien bis zu Ägypten. Unsere Erfahrung ist durchweg positiv. Oft haben wir erstaunlich moderne Praxen vorgefunden, hatten kaum bis kurze Wartezeiten und haben eine sehr persönliche Betreuung genossen.
Ein besonders prägendes Erlebnis hatten wir auf Gili Air in Indonesien: Wir hatten eine medizinischen Notfall und sofort – aber wirklich sofort – sind zwei Notärzte in unser Hotel gekommen. Die Chefärztin der Klinik war danach sogar Tag und Nacht über WhatsApp erreichbar und hat sich auch nach unserer Weiterreise noch über den weiteren Verlauf der Genesung erkundigt. Diese Art von Betreuung hätten wir so in Deutschland wahrscheinlich nicht erlebt.
Ein großer Unterschied zu Deutschland
In vielen Ländern wird medizinische Versorgung stärker als Dienstleistung verstanden.
Das bedeutet:
- Termine bekommt man sehr schnell
- man wartet selten lange
- der Patient wird eher als Kunde behandelt
Unsere Erfahrung:
Oft ist es einfacher, im Ausland einen Arzttermin zu bekommen als in Deutschland.
Psssst: Ein kleiner Insider-Tipp
Ein Tipp, den viele Langzeitreisende kennen: Bei kleineren Behandlungen kann es sich lohnen zu sagen:
„Nein, ich habe keine Krankenversicherung.“
Warum? In vielen Ländern gibt es zwei Preissysteme:
- Preise für Selbstzahler
- Preise für Versicherungen
Sobald eine Versicherung im Spiel ist, steigen die Kosten deutlich. Nicht selten ist der Preis dann zehnmal so hoch. Die Behandlung bleibt exakt dieselbe – nur der Betrag verändert sich.
Man könnte sagen: Wenn eine Versicherung im Spiel ist, wird man schnell zur Cash Cow im System.
Bei allen Dingen, die keine Notfälle sind, lohnt es sich also, zu flunkern und zu behaupten, man habe keine Krankenversicherung. Das gilt natürlich nicht, wenn es um lebensbedrohliche Situationen, Operationen oder Krankenhausaufenthalte geht.
Krankenversichert: Unser Fazit nach fünf Jahren Weltreise
Natürlich sollte man niemals ohne Krankenversicherung reisen – besonders bei längeren Trips.
Aber unsere Erfahrung zeigt:
Die Angst vor medizinischer Versorgung im Ausland ist oft größer als nötig.
Ja, Systeme funktionieren anders.
Ja, man bezahlt manchmal zuerst selbst.
Aber:
- Ärzte sind oft sehr engagiert
- Termine bekommt man schnell
- Behandlungen sind häufig günstiger
- und die Betreuung ist oft erstaunlich persönlich
Wir haben uns auf unserer Reise überall sicher gefühlt.
Und genau das ist am Ende das Wichtigste.
Wer wir sind
Wir sind Nico, Kathi & Lenni – die three little lions. Eine reisende Familie und seit 2021 nur mit Handgepäck, ohne festen Wohnsitz und ohne Schule unterwegs in der Welt. Hier teilen wir ehrliche Erfahrungen, praktische Tipps und Geschichten vom Reisen mit Kind.
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Kathi Wuttke
Hallo, Welt. Ich bin Kathi. Jahrgang 1991, optimistische Weltverbesserin und Herzblut-Mama eines aufgeweckten Jungen. Mein Herz schlägt außerdem für Yoga, leckeres Essen, tiefe Gespräche und gute Texte – egal, ob lesend oder selbst zu Papier bringend. Ursprünglich komme ich aus Osnabrück im Norden Deutschlands, wo ich Marketing & Kommunikation studiert habe. In 2021 bin ich aufgebrochen in die Welt. Auf unbestimmte Zeit. Mit unbestimmtem Ziel. Seitdem bereisen wir als Familie die Welt und ich darf an diesen Erfahrungen wachsen. Ich lade Dich ein, uns ein Stück auf unserer Reise zu begleiten. Schön, dass Du da bist.